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"Imagine there's no country. It isn´t hard to do.
Nothing to kill or die for, and no Religion too."
John Lennon (imagine)


Der Integrale Yoga des Sri Aurobindo
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Das Symbol bedeutet die effektive Manifestation von "Ishwara" and "Ishwari" in Union; er und sie vereint.

Der Yoga, dem hier gefolgt wird, hat eine sehr viel weitere Perspektive als bisherige Yoga-Systeme, in denen es vorwiegend darum ging, sich vom Rad der Wiedergeburten zu befreien.
Integral bedeutet wörtlich, etwas zur Ganzheit zu führen. So geht es bei Aurobindo darum, Person und Seele, Mentales und Supramentales, Welt und Gott zur Ganzheit zu verschmelzen. Grundlage ist die Selbst-Erkenntnis, daß in Wahrheit alles göttlich und heilig ist. Das Kennzeichen dieses Yoga ist das Erreichen all dieser Zustände in Geist, Leben und Körper; bis zur Zell-Transformation. "Entrückung" oder ekstatisches "Aus-sich-Heraustreten" sind allenfalls Entwicklungsstadien für ein "In-sich-Hineinnehmen" (Kommunion) und "Miteinander-Verschmelzen" (Verklärung). Demnach wird Vollendung in der irdischen Verkörperung realisiert.
Aurobindo schreibt: "Wenn Du die Idee mit ganzem Herzen anzunehmen vermagst, allen Schwierigkeiten begegnen, die Vergangenheit und ihre Fesseln hinter Dir lassen kannst, wenn Du bereit bist, alles aufzugeben und alles einzusetzen für diese göttliche Möglichkeit, dann allein kannst Du hoffen, die Wahrheit dahinter durch Erfahrung zu entdecken.
Askese um ihrer selbst willen ist nicht das Ideal dieses Yoga, ein sehr wichtiger Bestandteil hingegen ist Selbstkontrolle im Vitalen und die rechte Disziplin im Stofflichen, - doch selbst eine asketische Disziplin ist für unseren Zweck besser als ein nachlässiges Fehlen wahrer Kontrolle. Die Meisterung des Stofflichen bezieht eine richtige und vorsichtige Benützung der Dinge ein und auch Selbstkontrolle in ihrem Gebrauch.
Gewaltsames Unterdrücken, Fasten mit einbezogen, steht auf der gleichen Stufe wie freies Sichgehenlassen; in beiden Fällen bleibt das Verlangen bestehen: In dem einen wird es durch Nachgeben genährt, im anderen besteht es verborgen und unterdrückt weiter."

Der Integrale Yoga besteht im wesentlichen darin:
  1. Das ganze Leben (einschließlich der scheinbar "untersten" Ebenen und "niedrigsten" Erscheinungsformen) wird als göttlich erkannt.
  2. Das eigene Leben wird vollkommen und ohne irgendwelche Vorbehalte oder Ausnahmen ganz dem Göttlichen geweiht, wobei der Begriff "Göttliches" keine Vorstellung von einem personifizierten Gott beinhaltet.
  3. In der Synthese von selbstverantwortlichem Handeln und vertrauensvollem Geschehenlassen wird das "Tun im Nichttun" geübt.
  4. In allem Tun und Lassen erkennt man sich selbst (sein Selbst) als individuelle Manifestation des Göttlichen, das sich durch diese zu einmaligem und einzigartigem Ausdruck bringen will.
  5. Jegliche Tätigkeit (ob Arbeit oder Selbst-Vergnügen) wird als "Gottesdienst im Sinne der Selbstverwirklichung" betrachtet.

"Die göttliche Liebe ist tief und weit und still, und man muß selbst tief und weit und still werden, um ihrer bewußt und von ihr erfüllt sein zu können. Dies muß das einzige Lebensziel sein, indem man aus seinem ganzen Leben ein verlangendes Streben und Sich-öffnen für diese Liebe macht. Sich selbst hinzugeben, nicht etwa fordern oder besitzen zu wollen, ist das Geheimnis des Yoga. Je mehr man sich selbst gibt, desto mehr wächst die Fähigkeit zu empfangen. Dann teilt sich die göttliche Liebe der göttlichen Wahrheit und dem göttlichen Willen gemäß dem Menschen mit, indem sie ihn zu einer umfassenderen und reineren Liebe befähigt als sich ein begrenztes Gemüt je auszudenken vermag. Wer von dieser Liebe erfüllt ist, der kann ein bewußtes Instrument für die Geburt und die Wirksamkeit der göttlichen Liebe in der Welt werden." (Sri Aurobindo)

Weiter schreibt er:
"Wir haben nicht die Absicht, [...] eine Religion oder eine philosophische Schule oder eine Yoga-Schule zu gründen, vielmehr eine Haltung und eine Methode zu entwickeln, die eine höhere Wahrheit jenseits des Mentals herniederbringen wird, aber nicht unerreichbar für die menschliche Seele und das menschliche Bewußtsein ist [...]
Der Yoga-Weg, der hier befolgt wird, unterscheidet sich bezüglich seines Zweckes von anderen Wegen. Denn sein Ziel ist nicht nur, sich aus dem gewöhnlichen Weltbewußtsein in das göttliche Bewußtsein zu erheben, sondern auch die supramentale Macht jenes göttlichen Bewußtseins herunterzuholen in die Unwissenheit von Mental, Leben und Körper, diese zu transformieren, das Göttliche Wesen hier zu offenbaren und ein göttliches Leben in der Materie zu erzeugen."
(aus: Sri Aurobindo - Vorbote eines neuen Zeitalters, Aquamarin-Verlag S. 31).


Das wichtigste aber ist eine Umsetzung in der realen Welt, HIER auf der ERDE, und zwar in jeweils angemessener Art und Weise, die den Menschen dort abholt, wo er steht und in ein umfassenderes Bewusstsein zu bringen vermag. Denn nur in einer solchen Umsetzung kann die Menschheit überhaupt auf den eigentlichen Integralen Yoga vorbereitet werden, der ja dort erst ansetzt, wo bestehende Systeme aufhören.
Heute finden integrale Themen immer mehr Beachtung und Anerkennung auf allen Ebenen des menschlichen Lebens: In Wirtschaft, Bildung, Politik und vielen anderen Bereichen sind ganzheitliche Konzepte vorhanden, und konkrete Aspekte des "neuen Denkens und Handelns" werden öffentlich gefördert, von EU-Projekten bis hin zu Konferenzen der Vereinten Nationen über Integration. Einer der bekanntesten Vertreter integraler Konzeptionen auf gesellschaftlicher Ebene ist der Amerikaner Ken Wilber, welchen der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore 1998 einmal als seinen Lieblingsautor bezeichnet hat. Und gerade in der Person wird es ein bemerkenswertes Symbol für den richtigen Zeitpunkt, weil es in den Vereinigten Staaten an wenigen hundert Stimmen gelegen hat, daß Bush und nicht Gore im Jahre 2000 US-Präsident wurde...


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Es folgt nun eine Skizzierung von Wilfried Huchzermeyer über Aurobindo und die durch ihn eingeleiteten atmosphärischen Veränderungen:

Im November 1926 hatte Sri Aurobindo die sehr wichtige Erfahrung des Übermentalen (overmind). Er erklärte es als "Herabkunft Krishnas in das Physische", eine entscheidende Vorstufe für die Herabkunft des Supramentalen (supermind).

Die frühen Hauptwerke
Während des Ersten Weltkriegs veröffentlichte er in einer Artikelreihe zahlreiche Schriften, die zu Hauptwerken wurden, darunter auch "Das Göttliche Leben", "Die Synthese des Yoga" und "Die Essays über die Gita". In späteren Jahren kamen insbesondere die Briefe über den Yoga als wichtige Informationsquelle für den Sucher hinzu.
In seinem Werk "Das Göttliche Leben" entwirft Sri Aurobindo in einer grandiosen Vision das Bild einer progressiven Evolution mit ungeahnten künftigen Möglichkeiten, aber auch teils schwierigen Phasen. "Die Synthese des Yoga" und "Die Briefe" zeigen den integralen Yoga-Weg auf. Hauptelemente aus der indischen Tradition sind die drei Wege der Bhagavadgita: Der Pfad der Werke, der Erkenntnis und der Liebe. Techniken und Erkenntnisse aus anderen Systemen und Weisheitslehren können ebenfalls mit Gewinn integriert werden, wenn dies dem persönlichen Entwicklungsgang entspricht.

Das Supramentale
Neues Element ist die "Herabkunft des Supramentalen". Das letztere ist ein globales, gnostisches Wahrheitsbewußtsein, das alle Teilung - z.B. auch jene der Religionen - aufhebt in einem grenzenlosen Einheitsempfinden. Die Dualität und Gegenüberstellung von Geist (Spirit) und Materie wird auf dieser Ebene endgültig überwunden: Materie ist Geist-Stoff.
Der Mensch kann dieses integral-gnostische Bewußtsein nicht durch sein Ego anstreben, sondern sich nur durch allmähliche Aufgabe oder Umpolung des Egos und die Sehnsucht der innersten Seele ihm öffnen, es hereinlassen. Voraussetzung dafür ist eine gründliche Vorbereitung des Wesens, eine geduldige Sadhana, so daß die mentale, vitale und physische Natur des Menschen unter den Einfluß des Lichts kommt und allmählich transformiert wird. Es geht darum, jeden verborgenen Winkel unseres Wesens auszuleuchten und auf das Licht einzustimmen, was mitunter zu Protestkundgebungen aus dem Unterbewußten und Unbewußten führen kann.
Hilfreich bei dieser Arbeit sind Aufrichtigkeit, Überantwortung an das Göttliche und innere Haltungen, die wir auch von anderen Wegen kennen, z.B. Gleichmut und die Fähigkeit, von den Dingen (und sich selbst) einmal Abstand zu nehmen, sie wie ein Zeuge zu betrachten. Eine Schlüsselrolle bei der Überantwortung spielt das psychische Wesen, gleichsam ein Botschafter des Göttlichen in unserem Herzen, der uns zuverlässig die rechte Richtung weist, wenn wir nur auf ihn hören.

Der kollektive Yoga
Dieses Streben nach ganzheitlicher Entwicklung bleibt nicht auf den Einzelnen beschränkt. Es kann zu spirituell orientierten Gemeinschaften führen, die kollektiv auf das Ziel der Transformation hinarbeiten, wobei einerseits sehr viel mehr Entwicklungsmöglichkeiten bestehen, andererseits aber auch Schwierigkeiten im Gruppenleben auftreten können. Über das Experiment "Auroville" wird an anderer Stelle berichtet werden.
Im politischen Bereich wäre das Ziel eine auf Einheit und Harmonie ausgerichtete Weltgemeinschaft, die im wesentlichen von Kräften des Lichts regiert wird - gewiß eine ferne Vision, aber nach Sri Aurobindos letztlich doch zu realisieren, gleich welche Irrwege die Menschheit auf ihren verschlungenen Pfaden der Evolution noch einschlagen mag.

Die Herabkunft des Supramentalen
Als Sri Aurobindo am 5. Dezember 1950 die (physische) Erde verließ, war sein Körper 111 Stunden in ein supramentales Licht gehüllt, das jede Zersetzung verhinderte und von vielen Anhängern gesehen werden konnte. Sri Aurobindo hatte beschlossen, wegen starker Widerstände im Erdbewußtsein von der anderen Seite weiterzuarbeiten, während die Mutter den Yoga der Transformation im Körper fortsetzen würde. Eine massive Herabkunft des Supramentalen ins Erdbewußtsein fand nach Auskunft der Mutter am 29. Februar 1956 während einer kollektiven Meditation im Ashram statt. Die Anhänger Sri Aurobindos glauben, daß damit eine Kraft in die Erdatmosphäre gebracht wurde, die definitiv auf eine neue Welt hinarbeitet. Dies schließt jedoch vorübergehende Rückschläge nicht aus, da nach wie vor hartnäckige Widerstände gegen das Licht bestehen.

Savitri
Das bedeutendste literarische Werk Sri Aurobindos ist sein spirituelles Epos Savitri, eine mantrische Dichtung in englischer Sprache, die den Sucher auf einer langen, faszinierenden Reise durch das Universum führt, durch seine sichtbaren und unsichtbaren Welten, seine Evolutionsgeschichte, seine spirituellen Gipfel und tiefen Abgründe.

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Wilfried Huchzermeyer (Ph.D.), edition sawitri in Karlsruhe.